Atemkurse

Pranayama Pranayama (Atemübungen) ist das vierte Glied des Raja Yoga nach den Yoga-Sutras von Patanjali und bezeichnet die Zusammenführung von Körper und Geist durch Atemübungen. Die weiteren sieben Glieder des Raja Yoga sind Yama, Niyama, Asana, Pratyahara, Dharana, Dhyana und Samadhi.

Prana“ ist eine Bezeichnung für die Lebensenergie (vergleichbar mit dem chinesischen Qi oder dem japanischen Ki); „Ayama“ kann mit „kontrollieren“ oder auch mit „erweitern“ übersetzt werden. Der Begriff „Pranayama“ bezeichnet also die bewusste Regulierung und Vertiefung der Atmung durch Achtsamkeit und beständiges Üben. Da die Atmung Träger der Lebensenergie ist, kann man Prana auch mit „Atem“ übersetzen – im ursprünglichen Gebrauch hat der Begriff jedoch ein größeres Bedeutungsspektrum. Eine fortdauernde Konzentration auf die Vorgänge der Atmung und bewusst ausgeführte Atemtechniken können die Prozesse des Bewusstseins beeinflussen. Ähnliche Effekte werden auch bei zahlreichen Meditations- und Entspannungstechniken beobachtet.

Werden die verschiedenen Übungen des Pranayama regelmäßig praktiziert, wird das Atemvolumen vergrößert und der Atem immer länger und feiner. Bisweilen kommt es zu natürlichen (mühelosen) Atemverhaltungen (Sanskrit: „Kevala Kumbhaka“). Aus physikalischer Sicht kommt es bei so einer feinen, sehr langsamen Atmung zu einer nahezu turbulenzfreien, laminaren Luftströmung in den Atemwegen und Bronchien, was die biochemischen Gasaustauschprozesse der Lunge optimiert. Verschiedene medizinische Studien zeigten: die regelmäßige, langsame Pranayama-Atmung führt zu positiv bewerteten Effekten, wie z.B. verringertem Sauerstoffbedarf, niedrigerem Puls und Blutdruck, sowie Auswirkungen auf den Hautleitwert, gesteigerten Amplituden von Theta-Wellen im EEG, gesteigerter Aktivität des Parasympathikus, einhergehend mit dem Gefühl von Wachheit und Energetisierung.

Bereits Patanjali legte in seinen Yoga Sutras dar, dass Ablenkungen des Geistes mit unruhiger Atmung verbunden seien (Kap. I, Sutra 31) und dass Atemkontrolle den Geist zur Konzentration bringen könne (Kap. I, Sutra 34). Ausatmung, Einatmung und Atempausen werden beim Pranayama in ein bestimmtes Verhältnis zueinander gebracht. Dies führe bei sensibler Ausführung zu einer Veränderung der Aktivitäten des Geistes und könne bei regelmäßiger Praxis eine tiefgehende Transformation des Bewusstseins und eine zunehmende Sensibilisierung für feinstoffliche Lebensaktivitäten bewirken.

Im inRelax® sind Atemübungen (Pranayama) regelmäßiger Bestandteil der Yogastunden. Die Ausnahme bildet das Yin Yoga, bei diesem Yogastil wird der Atmung keine besondere Aufmerksamkeit gegeben.

 

Eine Auswahl an Atemübungen bzw. Themen, die in Theorie und Praxis in die Einzelstunden und Kurse mit eingebunden werden.

  • Grundatemtechniken und einfache Atemübungen
  • Koordination von Atmung und Bewegung
  • Entspannende und Aufladende Atemtechniken
  • Praktizieren von Yoga Atemübungen wie z. B.: Kapalabhati, Wechselatmung, Bhramari, Sitali, Sitkari, Uddhiyana Bandha, Mula Bandha, Agni Sara, Gorilla, Ujjayi

Die wichtigsten Atemübungen kurz erklärt

Kapalabhati

„Kapala“ ist ein Sanskrit-Wort; es bedeutet Schädel. „Bhati“ bedeutet scheinen. Der Ausdruck Kapalabhati bezeichnet eine Übung, die den Schädel zum Scheinen bringt. Diese Kriya reinigt den Schädel. Sie ist eine Shat-Karmas (sechs Reinigungsübungen im Hatha Yoga).

Sitze in Padmasana (Lotussitz). Halte die Hände auf den Knien. Schließe die Augen. Führe Puraka (Einatmen) und Rechaka (Ausatmen) schnell und kraftvoll aus. Bei dieser Übung beginnt man zu schwitzen. Diejenigen, die in Kapalabhati sehr erfahren sind, fällt Bhastrika (Blasebalg, Feueratem) sehr leicht. In diesem Pranayama gibt es kein Kumbhaka (Anhalten). Rechaka spielt die dominierende Rolle. Puraka ist sanft, langsam und lang (Dirgha). Rechaka sollte jedoch schnell und forciert ausgeführt werden, durch Kontraktion der Bauchmuskeln mit einem nach hinten gerichteten Schub. Entspanne während des Purakas Deine Bauchmuskeln. Der Kopf und Rumpf sollten aufgerichtet sein. Plötzliche Ausstöße des Atems folgen aufeinander wie in Bhastrika. Zu Beginn kannst Du mit einer Ausatmung pro Sekunde starten. Allmählich kannst Du dann zwei Ausatmungen pro Sekunde machen. Morgens mit einer Runde von 10 Ausatmungen starten. In der zweiten Woche eine Runde am Abend zusätzlich praktizieren. In der dritten Woche zwei Runden am Morgen und zwei Runden am Abend ausführen. Steigere Dich jede Woche allmählich und vorsichtig um jeweils 10 Ausatmungen pro Runde, bis Du 120 Ausatmungen pro Runde erreichst.

 

Die Übung reinigt das Atmungssystem und die nasalen Atemwege. Es beseitigt Verkrampfungen der Bronchien. Als Folge verschafft es Abhilfe bei Asthma und die Lungenspitzen werden gründlich mit Sauerstoff versorgt. Die Lungen werden beachtlich entwickelt. Kohlendioxid wird in großem Ausmaß vermindert. Unreinheiten des Blutes werden ausgesondert. Gewebe und Zellen absorbieren eine große Menge an Sauerstoff. Der Übende bleibt Gesund. Herz, Kreislauf und Atmung werden angeregt.

Quelle: „Die Wissenschaft des Pranayama“ von Swami Sivananda