Meditation nach Patanjali, bei inRelax®
„So wie eine Lampe, an einem windgeschützten Ort, im Wind nicht flackert, so ist der Yogi, dessen Geist durch die Praxis der Meditation geschult wird, frei von den Schwankungen der Sinne.“
– Bhagavadgita 6.19
Meditation: Entdecke die Ruhe in dir. In unserer schnelllebigen Welt ist es wichtiger denn je, Momente der Ruhe und inneren Einkehr zu finden. Meditation bietet dir einen Raum, um abzuschalten, Stress loszulassen und neue Energie zu tanken. Tauche ein in die Stille, entdecke die Kraft der Meditation und begib dich auf den Weg zu innerer Ruhe und Gelassenheit.
Was ist Meditation?
Meditation ist eine Praxis, die darauf abzielt, den Geist zu beruhigen und zu fokussieren. Sie ist wie ein Training für den Geist, vergleichbar mit dem Training des Körpers im Sport. Durch verschiedene Techniken wie Atemübungen, Konzentration auf ein Objekt (z.B. eine Kerzenflamme oder ein Yantra) oder das achtsame Beobachten der Gedanken, lernst du, deine innere Welt besser wahrzunehmen und zu steuern.
Anstatt dich von deinen Gedanken und Emotionen treiben zu lassen, entwickelst du die Fähigkeit, innezuhalten, Abstand zu gewinnen und bewusster zu reagieren.
Die spirituelle Wirkung von Meditation:
In vielen spirituellen Traditionen ist Meditation ein zentraler Weg zur Selbsterkenntnis und spirituellen Entwicklung. Sie dient dazu, die Verbindung zum eigenen Inneren, zur „Seele“ oder zum „höheren Selbst“ zu stärken.
Meditation kann helfen:
- innere Ruhe und Gelassenheit zu finden
- den Geist von Ängsten und Sorgen zu befreien
- ein tieferes Verständnis für sich selbst und die Welt zu entwickeln
- Mitgefühl und Liebe zu kultivieren
- spirituelles Wachstum zu fördern
Meditation und Hirnforschung:
Auch die moderne Wissenschaft, insbesondere die Hirnforschung, interessiert sich zunehmend für die Meditation. Studien zeigen, dass regelmäßiges Meditieren positive Auswirkungen auf das Gehirn hat.
- Stress reduzieren und die emotionale Regulation verbessern
- die Konzentration und Aufmerksamkeit steigern
- die Kreativität fördern
- die graue Substanz in bestimmten Hirnregionen verdichten (zuständig für Lernen, Gedächtnis, Emotionen)
- die Struktur des Gehirns verändern und neuronale Verbindungen stärken
Meditation ist also weit mehr als nur Entspannung. Sie ist ein kraftvolles Werkzeug, das dir helfen kann, dein volles Potenzial zu entfalten – sowohl geistig als auch körperlich.
inRelax® – Yoga in Krefeld
Der achtgliedrige Pfad von Patanjali
Der achtgliedrige Pfad von Patanjali und seine Bedeutung für die Meditation bei inRelax®
| Sanskrit | Übersetzung | Bedeutung für unsere Meditation |
|---|---|---|
| Yama | Umgang mit meinen Mitmenschen | Wir sind pünktlich und betreten den Raum leise, um die anderen nicht unnötig abzulenken. |
| Niyama | Umgang mit mir selber | Wir sind innerlich vorbereitet und lassen den Alltagsstress draußen. |
| Asana | Körperübungen | Wir wärmen uns mit ein paar Asanas auf und bereiten so unseren Körper auf die Meditation vor. |
| Pranayama | Atemübungen | Wir praktizieren Pranayama-Übungen (Atemübungen) und gleichen dadurch unsere Energie aus und zentrieren uns. |
| Pratyahara | Rückzug der Sinne | Wir konzentrieren uns auf unsere innere Welt und nehmen Abstand von äußeren Reizen. |
| Dharana | Konzentration | Wir fokussieren uns auf einen bestimmten Punkt (z. B. den Atem oder ein Mantra), um den Geist zu beruhigen. |
| Dhyana | Meditation | Wir lassen den Konzentrationspunkt los und beobachten unsere Gedanken, ohne uns von ihnen mitreißen zu lassen. |
| Samadhi | Erleuchtung | Ein Zustand der tiefen Verbundenheit und des Einsseins mit allem. |
Patanjali's Yoga Sutras
Yoga Sutra - 1. Kapitel - Samadhi Pada (Theorie des Geistes - 51 Verse)
- Nun wird Yoga erklärt.
Atha yoganusasanam
(atha = jetzt, nun; Yoga = Yoga, Einheit, Vereinigung; anusasana = Erklärung, Auslegung) - Yoga ist das Zur-Ruhe-Bringen der Gedanken im Geist.
Yogas citta-vrtti-nirodhah
(Yoga=Yoga, Einheit, Vereinigung; citta = Geist, Verstand; vrtti = Gedanken, Gedankenwelle; nirodha = Aufhören, zur Ruhe kommen, Beherrschung) - Dann ruht der Wahrnehmende in seinem wahren Wesen.
Tada drastuh svarupe vasthanam
(tada=dann; drastuh = der Sehende, der Wahrnehmende; svarupa = eigene Natur, wahres Wesen; avasthana = Niederlassung, Bleibe) - In allen anderen Zuständen identifiziert sich der Wahrnehmende mit seinen Gedanken.
Vrttisarupyamitaratra
(Vrtti = Gedanken, Gedankenwelle; sarupya = Identifikation, Gleichheit, Ähnlichkeit; itara = anders, verschieben; itaratra = in anderen Zuständen, ansonsten) - Es gibt fünf Arten von Gedankenwellen. Einige davon sind schmerzhaft, andere nicht.
Vrttayah pancatayyah klistaklistah
(vrttayah = Gedankenwellen; pancatayyah = fünffältig; klista = schmerzvoll, leidhaft; aklista = nicht schmerzen) - 6. Die fünf Arten von Gedankenwellen sind korrektes Wissen, Irrtum, Einbildung, Schlaf und Erinnerung.
Pramanaviparyayavikalpanidrasmrtayah
(pramana = rechtes Wissen; viparyaya = falsches Wissen, Irrtum; vikalpa = Einbildung, falsche Vorstellung; nidra = Schlaf; smrti = Erinnerung) - 7. Direkte Wahrnehmung, Schlussfolgerung und Aussagen anderer führen zu rechtem Wissen.
Pratyaksanumanagamah pramanani
(pratyaksa = direkte Wahrnehmung; anumana = Schlussfolgerung; agama = Zeugnis, Überlieferung, Aussage anderer, Schriftwissen; pramana = rechte Wissen) - 8. Irrtum ist getäuschtes Wissen und passt nicht zur Natur der Sache.
Viparyayo mithyajinanamatadrüpapratistham
(viparyaya = Irrtum, falsches Wissen; mithya = falsch, täuschung; jnana = Wissen, Auffassung; atad = nicht seiner eigenen; rupa = Form, Natur; pratistha = ruhend, beruhend, passt) - 9. Einbildung entsteht aus einer Wortfolge ohne Bezug zur Wirklichkeit.
Sabdajnananupati vastusunyovikalpah
(Sabda = Wort; jnana = Wissen; anupatii = darauffolgend; vast = Wirklichkeit; sunya = frei, leer, ohne Bezug; vikalpa = Einbildung, wörtliche Täuschung, Wort Irrtum) - 10. Die Gedankenwelle ohne konkreten Geistesinhalt wird Schlaf genannt.
Abhavapratyayalambana vrttinidra
(abhava = Abwesenheit; pratya = Inhalt des Geistes; alambana = Stütze, Grundlage, Abhängigkeit; vrtti = Gedankenwelle; nidra = Schlaf) - 11. Erinnerung ist das Behalten vergangener Erfahrungen.
Anubhutavisayasampramosah smrtih
(anubhuta = (von)erfahrenem; visaya = Gegenstand; asam = kein, nicht, ohne; pramosa = Diebstahl, Wegnehmen; asampramosa = „Nicht Diebstahl“, nicht fliehen, behalten; smrti = Erinnerung) - 12. Übung und Nichtanhaften führen zur Ruhe des Geistes.
Abhyasavairagyabhyam tannirodhah
(abhyasa = Übung; vairagyabhyam = Wunschlosigkeit, Nichtanhaften, Leidenschaftslosigkeit; tan = ununterbrochen; nirodha = Ruhe, Beherrschung des Geistes) - 13. Übung ist ständige Bemühung um diese (Ruhe des Geistes).
Tatra sthitau yatno bhyasah
(Tatra = dort, hier, um, das; sthitau = ständig; yatna = Anstrengung, Bemühung; abhyasa = Übung) - 14. Sie (die Übung) bekommt ein festes Fundament, wenn sie lange Zeit ohne Unterbrechung und mit aufrichtiger Hingabe ausgeführt wird.
Sa tu dirghakalanairantaryasatkarasevito drdhabhhumih
(Sa = das, das gleiche; tu = in der Tat, jedenfalls; dirgha = lang; kala = Zeit; nairantarya = ohne Unterbrechung; satkara = mit Ernsthaftigkeit, voller Hingabe; asevita = geübt, gefolgt, fortgesetzt; drdha = fest; bhumi = Grund, Fundament) - 15. Nichtanhaften ist der Bewusstseinszustand, in dem das Verlangen nach sichtbaren und unsichtbaren Objekten aufgehört hat.
Drstanusravikavisayavitrsnasya vasikarasamjnavairagyam
(Drsta = gesehen, sichtbar; anusravika = gehört von anderen; visaya = Objekt; trsna = Gier, Durst; vitrnasya = der, welcher aufgehört hat zu dürsten; vasikara = der gleiche;samjna = Bewusstseinszustand; vairagya = Nichtanhaften; Losgelöstsein, Entsagung, Verhaftungslosigkeit) - 16. Der höchste Zustand des Nichtanhaftens entsteht durch Erkenntnis des Selbst und ist frei von Gier nach den Eigenschaften der Natur.
Tatparam purusakhyatergunavitrsnyam
(Tat = das, param = höchste; purusa = Selbst, Seele; khyati = Verständnis, Verwirklichung, Bewusstheit; guna = Eigenschaft, Natur; vaitrsnya = Freiheit von der Gier) - 17. Samprajnata samadhi wird von Denken, Überlegen, Freude und reinem Ich-Gefühl begleitet.
Vitarkavicaranandasmitarupanugamatsamprajnatah
(vitarka = Denken; vicara = überlegen, nachdenken; ananda = Glück, Freude; asmita = Ich-Gefühl; rupa = eigene Natur; anugamat = in Verbindung; samprajnata = samadhi mit Erkenntnis) - 18. Asamprajnata samadhi entsteht, wenn durch Übung alle geistigen Inhalte zur Ruhe gebracht werden.
Viramapratyayabhyasapurvah samskaraseso nyah
(virama = aufhören, fallen lassen; pratyaya = Geistesinhalt; abhyasa = Übung; purva = Vorherige, Unmanifestierte; samskara = Eindrücke; sepa = übrig geblieben; anya = das andere die andere Form von Samadhi) - 19. Asamprajnata samadhi kommt von Geburt an zu denen, die früher Körperlosigkeit erlangt haben.
Bhavapratyayo videhaprakrtilayanam
(bhava = Ursprung, Geburt; pratyaya = Ursache, Sicherheit, Geistesinhalt; videha = körperlos; prakrti = Natur; laya = Auflösung, Verschmelzung; prakrti layana = verschmolzen mit prakrti) - 20. Für andere kommt asamprajnata samadhi durch Glauben, Energie, Erinnerung und klares Bewusstsein.
Sraddhaviryasmrtisamadhiprajnapurvaka itaresam
(sraddha = Glaube; virya = fester Wille oder Energie; smrti = Erinnerung; samadhi-prajna = klares Bewusstsein, Wissen wessentlich für smadhi; purvaka = dem vorangeht; itaresa = für andere) - 21. Den intensiv Strebenden ist samadhi nahe.
Tivrasamveganamasannah
(Tivra = stark; samvegana = Intensität; asannah = nahe) - 22. Das Streben kann mäßig, mittelmäßig oder intensiv sein.
Mrdumadhyadhimatratvattato pi visesah
(Mrdu = mild, sanft; madhya = mittelmäßig; adhimatratvat = intensiv, mächtig; tatah = von ihm, nach dem; api = auch, sogar; visesa = Abstufung, Unterscheidung) - 23. (Schneller Erfolg kommt) auch durch Hingabe an Gott.
Isvarapranidhanadva
(Isvara = Gott; pranidhana = Hingabe; va = oder, auch) - 24. Isvara ist ein besonderes Bewusstseinszentrum frei von Leid, Karma und Wünschen.
Klesakarmavipakasayairaparamrstah purusavisesa isvarah
(klesa = Leid, Ursache des Leidens; karma = Handlung; vipaka = Wirkung der Handlung; asayaih = Samenkeime; aparamrstah = unberührt; purusa = Seele; visesa = besonders; isvara = Gottheit) - 25. In Ihm ist der Same der Höchsten Allwissenheit.
Tatra niratisayam sarvajnabijam
(tatra = in Ihm; niratisayam = das Höchste; sarvajna = der Allwissende; bija = der Same) - 26. Er ist der ursprüngliche Lehrer, unbegrenzt durch Zeit.
Sa purvesamapi guruh kalenanavacchedat
(sa = Er; purvesam = von den Alten; api = auch; guru = Lehrer; kala = Zeit; anavacchedat = nicht begrenzt) - 27. Das Ihn offenbarende Wort ist OM.
Tasya vacakah pranavah
(tasya = sein; vacaka = das Bezeichnende; pranava = das Mantra OM) - 28. Ständige Wiederholung von OM mit Gefühl und Bewusstheit seiner Bedeutung.
Taijapastadarthabhavanam
(Tat-japa = seine ständige Wiederholung; tat = seine; artha = Bedeutung; bhavanam = mit Gefühl, Hingabe) - 29. Die Wiederholung von OM verhilft zu erleuchteter Innenschau und zum Verschwinden aller Hindernisse.
Tatah pratyakcetanadhigamo pyantaraya-bhavasca
(Tatah = von ihr; pratyak = Innenschau; cetana = erleuchtet; adhigamo = erhalten; api = auch; antaraya = Hindernisse; abhava = Abwesenheit) - 30. Die Hindernisse sind Krankheit, Trägheit, Zweifel, Gleichgültigkeit, Faulheit, Gier, Täuschung und Ruhelosigkeit.
Vyadhistyanasamsayapramadalasyavirati-bhrantidarsanalabdhabhumikat-vanavasthitatvani cittaviksepaste ntarayah
(vyadhi = Krankheit; styana = Trägheit; samsaya = Zweifel; pramada = Achtlosigkeit; alasya = Faulheit; avirati = Gier; bhranti = Irrtum; antaraya = Hindernis) - 31. Schmerz, Depression, Nervosität und unregelmäßige Atmung sind Symptome eines zerstreuten Geistes.
Duhkadaurmanasyangamejayatvasvasaprasvasa viksepasahabhuvah
(dukha = Schmerz; daurmanasya = Depression; angamejayatva = Nervosität; svasa-prasvasa = unregelmäßige Atmung; viksepa = Zerstreuung) - 32. Zur Beseitigung dieser Hindernisse sollte man einen Aspekt der Wahrheit üben.
Tatpratisedhartamekatattvabhyasah
(tat = das; pratisedhartam = zur Beseitigung; eka = ein; tattva = Prinzip; abhyasa = Übung) - 33. Der Geist wird durch Freundlichkeit, Mitgefühl, Heiterkeit und Gleichmut klar.
Maitrikarunamuditopeksanam sukhaduhkhapunyapunyavisayanam bhavanatascittaprasadanam
(maitri = Freundlichkeit; karuna = Mitgefühl; mudita = Freude; upeksana = Gleichmut; citta = Geist; prasadana = Klarheit) - 34. Dies wird auch durch das Ausstoßen und das Zurückhalten des Atems erreicht.
Pracchardanavidharanabhyam va pranasya
(Pracchardana = Ausatmen; vidharanabhya = Zurückhalten; va = oder; pranasya = Atem) - 35. Wenn die höheren Sinne aktiv werden, kommt Festigkeit des Geistes.
Visayavati va pravrttirutpanna manasah sthitinibandhani
(Visayavati = die Sinne betreffend; pravrtti = Funktion; manas = Geist; sthiti = Festigkeit) - 36. Oder durch Vergegenwärtigung des leuchtenden Lichts jenseits allen Leidens.
Visoka va jyotismati
(Visoka = jenseits allen Leidens; va = oder; jyotismati = leuchtend; jyoti = Licht) - 37. Oder durch Konzentration auf jemanden, der Gier transzendiert hat.
Vitaragavisayam va cittam
(Vita = aufgehört; raga = Gier; visaya = Bereich; va = oder; citta = Geist) - 38. Oder durch Meditation über Wissen aus Traum und Tiefschlaf.
Svapnanidrajnanalambanam va
(svapna = Traumzustand; nidra = Schlaf; jnana = Wissen; alambana = beruhend auf) - 39. Oder durch eine Meditationsart, die einem angenehm ist.
Yathabhimatadhyanadva
(yatha = wie; abhimata = angenehm; dhyana = Meditation; va = oder) - 40. Die Meisterschaft eines Yogi erstreckt sich vom Atom bis zur Unendlichkeit.
Paramanuparamamahattvanto sya vasikarah
(parama = kleinstes; anu = Atom; mahattva = Unendlichkeit; vasikara = Meisterschaft) - 41. Sind die Gedanken zur Ruhe gekommen, wird der Geist transparent wie ein Kristall.
Ksinavrtterabhijatasyeva manergrahitrgrahanagrahyesu tatsthatadanjanata samapattih
(Ksina = entleert; vrtti = Gedanke; iva = wie; mani = Kristall; samapatti = Versenkung) - 42. Die Versenkung, in der Worte und Wissen vermischt sind, wird savitarka genannt.
Tatra sabdarthajnanavikalpaih samkirna savitarka
(sabda = Wort; artha = Bedeutung; jnana = Wissen; savitarka = samadhi mit Dualität) - 43. Im nirvitarka-Zustand reflektiert der Geist wahres Wissen ohne Subjektivität.
Smrtiparisuddhau svarupasunyevarthamatranirbhasa nirvitarka
(smrti = Eindrücke; parisuddhau = gereinigt; artha = Objekt; nirvitaka = samadhi ohne Annahme) - 44. Durch dies sind auch savicara und nirvicara samadhi erklärt.
Etayaiva savicara nirvicara ca suksmavisaya vyakhaata
(savicara = mit Untersuchung; nirvicara = ohne Untersuchung; suksma = subtil) - 45. Samadhi mit subtilen Objekten erstreckt sich bis zum unmanifestierten Zustand.
Suksmavisayatvam calingaparyavasanam
(Suksma = subtil; Visaya = Objekt; alinga = unmanifestiert; paryavasana = erstreckend) - 46. Alle diese sind jedoch nur samadhi mit Samen.
Ta eva sabijah samadhih
(ta = jene; sabijah = mit Samen; samadhi = überbewußter Zustand) - 47. Durch Verfeinern von nirvicara samadhi kommt innere Erleuchtung.
Nirvicaravaisaradye dhyatmaprasadah
(Nirvicara = ohne Fragestellung; vaisarada = erfahren; prasada = Klarheit) - 48. Das Wissen, das in diesem Zustand erlangt wird, ist wahres Wissen.
Rtambhara tatra prajna
(Rtambhara = das Wahre; tatra = da; prajna = wahres Wissen) - 49. Dieses Wissen ist dem Wissen aus Folgerung nicht gleich, da es direkt ist.
Srutanumanaprajnabhyamanyavisaya visesarthatvat
(sruta = Gehörtes; anumana = Folgerung; prajna = Erkenntnis; visaya = Objekt) - 50. Die daraus entstandenen Eindrücke ersetzen alle anderen.
Tajjah samskaro nyasamskarapratibandhi
(samskara = Eindruck; anya = andere; pratibandha = verhindern) - 51. Wird alles zur Ruhe gebracht, tritt man in den samenlosen Zustand ein.
Tasyapi nirodhe sarvanirodhannirbijah samadhih
(nirodha = Ruhe; sarva = alles; nirbija = samenlos; samadhi = überbewusster Zustand)
Quelle: Sukadev Volker Bretz „Die Yogaweisheit des Patanjali für Menschen von heute“ ISBN: 978-3-928632-81-2
Yoga Sutra - 2. Kapitel - Sadhana Pada (Spirituelle Praxis - 55 Verse)
- Disziplin, Selbststudium und Hingabe an Gott bilden den Kriya Yoga.
Tapahsvadhyayesvarapranidhanani kriyayogah
(tapas = Askese, Disziplin, Hitze; svadhyaya = Selbststudium; isvarapranidhana = Hingabe an Gott; kriya = Handlung; yoga = Yoga) - Es vermindert die Klesas (Leiden) und führt zu Samadhi.
Samadhibhavanarthah klesatanukatanarthasca
(Samadhi = überbewusster Zustand; bhavanartha = um herbeizuführen; klesa = Kummer, Leiden; tanu = vermindern; karanarthah = herbeiführen) - Unwissenheit, Identifikation, Anziehung und Abneigung sowie Furcht vor dem Tod sind die Klesas.
Avidyasmitaragadvesabhinivesah klesha
(avidya = Unwissenheit; asmita = Ich-haftigkeit; raga = Anziehung; dvesa = Abneigung; abhinivesa = Anhaften; klesa = Schmerzen)
Die fünf Kleshas: avidya (Nichtwissen), asmita (Egoismus), raga (Gier), dvesa (Abneigung), abhinivesa (Anhaften) - Avidya ist die Ursache von allen darauf folgenden Leiden.
Avidyaksetramuttaresam prasuptatanu vicchinnodaranam
(avidya = Unwissenheit; ksetra = Quelle; uttaresam = der folgenden; prasupta = latent; tanu = schwach; vicchina = überwunden; udaranam = ausgedehnt) - Durch Avidya hält man das Vergängliche fälschlicherweise für das Ewige.
Anityasuciduhkhanatmasu nityasucisukhatmakhyatiravidya
(anity = vergänglich; asuci = unrein; duhkha = Leid; anatma = nicht-Selbst; nitya = ewig; suci = rein; sukha = Freude; atma = Selbst; khyati = Wissen; avidya = Nichtwissen) - Asmita ist die Identifikation des Sehenden mit dem Instrument des Sehens.
Drgdarsanasaktyorekatmatevasmita
(drg = der Sehende; darsana-sakti = Kraft des Sehens; ekatmata = Identifikation; iv = als ob; asmita = Ich-haftigkeit) - Räga (Mögen) ist das, was am Vergnügen haftet.
Sukhanusayi ragah
(sukha = Vergnügen; anusayi = begleitend; raga = Anziehung, Mögen) - Abneigung ist das, was am Schmerz haftet.
Duhkhanusayi dvesah
(duhka = Schmerz; anusayi = begleitend; dvesa = Abneigung, Nichtmögen) - Furcht vor dem Tod ist der fortgesetzte Wunsch zu leben.
Svarasavahi viduso pi tatha rudho bhinivesah
(sarasavahi = Wunsch zu leben; vidusa = der Weise; api = sogar; tatha = auf diese Weise; rudhah = beherrschend; abhinivesa = Todesfurcht) - Subtile Formen der Leiden können durch Zurückführung auf ihren Ursprung vermieden werden.
Te pratiprasavaheyah suksmah
(Te = sie; prati = zurück; prasava = Ursprung; heya = zu vermeiden; suksma = subtil) - Aktive Formen der Leiden können durch Meditation vermieden werden.
Dhyanaheyastadvrttayah
(Dhyana = Meditation; heya = zu vermeiden; tad-vrttayah = aktive Formen) - Karma hat seine Wurzeln in den Klesas und wird in diesem und zukünftigen Leben ausgearbeitet.
Klesamulah karmasayo drstadrstajanmavedaniyah
(Klesa = Leiden; mula = Wurzel; karmasayah = Speicher der karmas; drsta = gegenwärtig; adrsta = zukünftig; janma = Leben; vedaniyah = ausarbeiten) - Solange die Wurzeln verbleiben, reift das Karma.
Sati mule tadvipako jatyayurbhogah
(Sati mule = Dasein der Wurzel; tad = von ihm; vipaka = reif; jati = soziale Schicht; ayu = Lebensspanne; bhoga = Erfahrung) - Sie haben Vergnügen oder Schmerz als ihre Frucht.
Te hladaparitapaphalah punyapunyahetutvat
(Te = sie; hlada = Vergnügen; paritapa = Schmerz; phala = Frucht; punya = Verdienst; apunya = Laster; hetutvat = verursacht durch) - Unterscheidungskraft erkennt, dass alles leidhaft ist.
Parinamatapasamskaraduhkhairgunavrttirodhacca duhkhameva sarvam vivekinah
(Parinama = Veränderung; tapas = Leiden; samskara = Eindruck; duhka = Schmerz; guna = Eigenschaften; vrtti = Gedanken; virodha = Konflikt; vivekinah = für Unterscheidungskraft) - Künftiges Leid sollte vermieden werden.
Heyam duhkhamanagatam
(Heyam = zu vermeiden; duhkha = Leid; anagatam = künftig) - Ursache des Leidens ist die Identifikation des Sehers mit dem Gesehenen.
Drastrdrsyayoh samyogo heyahetuh
(Drastr = des Sehers; drsya = das Gesehene; samyoga = Identifikation; heya = was vermieden werden soll; hetu = Ursache) - Das Gesehene besteht aus den Gunas und existiert zum Zweck der Befreiung.
Prakasakriyasthitisilam bhutendriyatmakam bhogapavargartham drsyam
(Prakasa = Leuchten; kriya = Handlung; sthiti = Trägheit; sila = Natur; bhuta = Elemente; indriya = Sinnesorgane; atmakam = derart seiend; bhoga = Erfahrung; apavarga = Befreiung; artham = Zweck; drsyam = das Gesehene) - Die Zustände der drei Gunas sind grob, fein, manifest und unmanifest.
Visesavisesalingamaralingani gunaparvani
(Visesa = bestimmt; avisesa = unbestimmt; lingamatra = Zeichen; alingani = ohne Zeichen; guna = Eigenschaft; parvani = Zustände) - Der Sehende ist Bewusstsein an sich und scheint durch den Geist zu sehen.
Drasta drimatrah suddho pi pratyayanupasyah
(Drasta = der Seher; drsimatrah = reines Bewusstsein; suddha = rein; api = obgleich; pratyaya = Vorstellung; anupasyah = scheint zu sehen) - Das Gesehene ist für den Sehenden da.
Tadartha eva drsyasyatma
(Tad-artha = um dessentwillen; eva = allein; drsyasya = des Gesehenen; atma = Wesen) - Die Prakriti wird für den, der sein Ziel erreicht hat, unwirklich.
Krtartham prati nastamapyanastam tadanysadharanatvat
(Krtartham = Ziel erreicht; prati = für; nastam = nicht vorhanden; apy = obgleich; anastam = vorhanden; sadharanatvat = da es allgemein ist) - Der Zweck der Verbindung ist das Erlangen der Erkenntnis der wahren Natur.
Svasvamisaktyoh svarupopalabdhihetuh samyogah
(Sva = von ihr; svami = Meister (purusa); saktyoh = von den Kräften; svarupa = wahre Natur; upalabdhi = Wissen; hetu = Zweck; samyoga = Verbindung) - Die Ursache dieser Verbindung ist Avidya, Unwissenheit.
Tasya heturavidya
(Tasya = seine; hetu = Ursache; avidya = Unwissenheit) - Durch Überwinden der Unwissenheit verschwindet die Verbindung (Kaivalya).
Tadabhavatsamyogabhavo hanam taddrseh kaivalyam
(Tad = dem; abhava = Verschwinden; samyoga = Verbindung; hana = aufhören; drseh = des Sehers; kaivalya = Befreiung) - Das Mittel zur Überwindung ist ungebrochenes Unterscheidungsvermögen.
Vivekakhyatiraviplava hanopayah
(Viveka = Unterscheidungskraft; khyati = Erkenntnis; aviplava = ununterbrochen; upaya = Mittel) - Erleuchtung wird in sieben Stufen erreicht.
Tasya saptadha prantabhumih prajna
(Tasya = sein; saptadha = siebenfältig; bhumi = Stufe; prajna = Erleuchtung) - Durch Yogaübung verschwinden Unreinheiten und das Licht des Wissens erstrahlt.
Yoganganuusthanadasuddhiksaye jnanadiptiravivekakhyateh
(Yoga = Yoga; anga = Teil; anusthana = Übung; asuddhi = Unreinheit; ksaye = Vernichtung; jnana = Wissen; dipti = Strahlen; viveka-khyati = Unterscheidungskraft) - Die acht Glieder des Yoga (Ashtanga).
Yamaniyamasanapranayamapratyaharadharanadhyanasamadhayo stavangani
(Yama = Ethik (außen); niyama = Disziplin (innen); asana = Stellung; pranayama = Atem; pratyahara = Sinne; dharana = Konzentration; dhyana = Meditation; samadhi = Überbewusstsein) - Die Yamas (Umgang mit anderen).
Ahimsasatyasteyabrahmacaryaparigraha yamah
(Ahimas = Gewaltlosigkeit; satya = Wahrhaftigkeit; asteya = Nichtstehlen; brahmacarya = Enthaltsamkeit; aparigraha = Unbestechlichkeit) - Diese Regeln bilden das große universelle Gelübde.
Jatidesakalasamayanavacchinnah sarvabhauma mahavratam
(Jati = Schicht; desa = Ort; kala = Zeit; samaya = Umstand; anavacchinnah = nicht begrenzt; sarvabhauma = universell; mahavratam = Gelübde) - Die Niyamas (Selbstdisziplin).
Saucasamtosatapahsvadhyayesvarapranidhanani niyamah
(Sauca = Reinheit; samtosa = Zufriedenheit; tapas = Selbstzucht; svadhyaya = Studium; isvara-pranidhana = Hingabe; niyama = Regeln) - Störende Gedanken durch Denken an ihr Gegenteil überwinden.
Vitarkabadhane pratipakaksabhavanam
(Vitarka = Gedanke; badhane = Störung; pratipaksa = Gegenteil; bhavana = Vorstellung) - Gewalt und negative Emotionen führen zu endlosem Schmerz.
Vitarka himsadayahkrtakaritanumodita lobhakrodhamohapurvaka mrdumadhyadhimatra duhkhajnananantaphala iti pratipaksabhavanam
(Vitarka = Gedanke; himsadaya = Gewalt; krta = selbst getan; lobha = Gier; krodha = Ärger; moha = Täuschung; dukha = Schmerz; ajnana = Unwissenheit; iti = deshalb; pratipaksa = Gegensätze) - Festes Nichtverletzen beendet Feindschaft in der Umgebung.
Ahimsapratisthayam tatsamnidhau vairatyagah
(Ahimsa = Gewaltlosigkeit; pratistha = fest; tatsamnidhau = in seiner Nähe; vaira = Feindseligkeit; tyagah = aufgeben) - Festgegründete Wahrhaftigkeit macht Handeln fruchtbar.
Satyapratisthayam kriyaphalasrayatvam
(Satya = Wahrhaftigkeit; pratistha = fest; kriya = Handlung; phala = Frucht; asrayat = Grundlage) - Festes Nichtstehlen zieht Kostbarkeiten an.
Asteyapratisthayam sarvaratnopasthanam
(Asteya = Nichtstehlen; pratista = fest; sarva = alles; ratna = kostbar; upasthanam = erscheinen) - Festes Brahmacarya bringt große Lebenskraft.
Brahmacaryapratisthayam viryalabhhah
(Brahmacarya = Enthaltsamkeit; pratistha = fest; virya = Lebenskraft; labha = erlangen) - Feste Unbestechlichkeit lässt den Sinn des Lebens verstehen.
Aparigrahasthairye janmakathamtasambodhah
(Aparigraha = Unbestechlichkeit; sthairye = fest; janma = Geburt; kathamta = Warum; sambodha = Verständnis) - Reinigung führt zur Abkehr von äußeren physischen Impulsen.
Saucatsvangajugupsa parairasamsargah
(Sauca = Reinheit; svanga = Körper; Jugupsa = Abscheu; parai = mit anderen; asamsarga = kein Kontakt) - Reinheit bewirkt Klarheit, Konzentration und Selbstverwirklichung.
Sattvasuddhisaumanasyaikagryendriyajayatmadarsanaygyatvani ca
(Sattva = Klarheit; suddhi = Reinheit; saumanasya = Heiterkeit; aikagrya = Konzentration; indriyajaya = Beherrschung; atmadarsana = Selbstvision) - Aus Zufriedenheit gewinnt man unübertroffenes Glück.
Samtosadanuttamah sukhalabhah
(Samtosad = Zufriedenheit; anuttama = unübertroffen; sukha = Glück; labha = Gewinn) - Tapas (Selbstzucht) löst Unreinheiten au.
Kayendriyasiddhirasuddhiksayattapasah
(Kaya = Körper; indriya = Sinne; siddhi = Kräfte; asuddhi = Unreinheit; ksaya = Auflösung; tapas = Selbstzucht) - Svadhyaya führt zur Verbindung mit dem persönlichen Gott.
Svadhyayadistadevatasamprayogah
(Svadhya = Studium; ista = geliebt; devata = Gottheit; samprayoga = Verbindung) - Hingabe an Gott (Isvara Pranidhana) führt zu Samadhi.
Samadhisiddhirisvarapranidhanat
(Samadhi = Überbewusstsein; siddhi = Fähigkeit; isvara = Gott; pranidhana = Hingabe) - Die Asana soll fest und bequem sein.
Sthirasukhamasanam
(Sthira = fest; sukha = bequem; asana = Haltung) - Meisterung durch Loslassen von Spannung und Fokus auf das Unendliche.
Prayatnasaithilyanantasamapattibhyam
(Prayatna = Anstrengung; saithilya = Entspannung; ananta = Endlose; samapattibhyam = Meditation) - Asana-Meisterschaft macht frei von den Gegensatzpaaren (Dvandvas).
Tato dvandvanabhighatah
(Tatah = davon; dvandva = Gegensatzpaare; anabhighata = keine Angriffe) - Pranayama ist die Beherrschung der Atembewegung.
Tasminsatisvasaprasvasayorgativicchedah pranayama
(svasa = Einatmung; prasvasa = Ausatmung; gati = Bewegung; viccheda = Beherrschung; prana = Energie) - Pranayama wird durch Ort, Zeit und Dauer reguliert.
Bahyabhyantarastambhavrttir desakala-samkhyabhih paridrsto dirgasuksmah
(Bahya = Außen; abhyantara = Innen; stambha = Ruhe; desa = Ort; kala = Zeit; samkhyabhi = Dauer; dirgha = lang; suksmah = subtil) - Die vierte Art geht über Ein- und Ausatmung hinaus.
Bahyabhhyantara-visayaksepi caturthah
(Bahya = äußerer; abhyantara = innerer; visaya = Bereich; akshepi = hinausgehend; caturtha = vierte) - Dadurch wird der Schleier vom Licht entfernt.
Tatah ksiyate prakasavaranam
(ksiyate = verschwindet; prakasa = Licht; avaranam = Schleier) - Der Verstand wird tauglich für Dharana (Konzentration).
Dharanasu ca yogyata manasah
(Dharanasu = Konzentration; yogyata = Eignung; manas = Geist) - Pratyahara ist das Zurückziehen der Sinne.
Svavisayasamprayoge cittasvarupanukara ivendriyanam pratyaharah
(visaya = Objekt; asamprayoge = kein Kontakt; citta = Geist; svarupa = Natur; indriyanam = Sinne; pratyahara = Rückzug) - So entsteht die höchste Meisterschaft über die Sinne.
Tatah parama vasyatendriyanam
(parama = höchste; vasya = Macht; indriyanam = Sinne)
Yoga Sutra - 3. Kapitel - Vibhuti Pada (Außergewöhnliche Kräfte - 56 Verse)
- Dharana (Konzentration) ist das Fixieren des Geistes auf eine Stelle.
Desabandhascittasya dharana
(desa = Ort; bandha = Fixieren; cittasya = des Geistes; dharana = Konzentration) - Bilden die Bewusstseinsinhalte einen ununterbrochenen Strom, so ist dies Dhyana.
Tatra pratyayaikatanata dhyanam
(tatra = dort; pratyaya = Bewusstseinsinhalt; ekatanata = als Eines fließend; dhyana = Meditation) - Wenn nur die eigentliche Bedeutung frei von Subjektivität erstrahlt, ist dies Samadhi.
Tadevarthamatranirbhasam svarupasunyamiva samadhih
(Tad = so; artha = Bedeutung; matra = nur; nirbhasa = leuchtend; svarupa = eigene Natur; sunya = leer; samadhi = überbewußter Zustand) - Diese drei (Dharana, Dhyana und Samadhi) zusammen bilden Samyama.
Trayamekatra samyamah
(trayam = die drei; ekatra = zusammen; samyama = Selbstbeherrschung) - Dadurch entsteht Meisterung und das Licht direkten Wissens.
Tajjayat prajnalokah
(Tat = das; jaya = Meisterung; prajna = höheres Bewußtsein; aloka = Licht) - Seine Anwendung erfolgt in Stufen.
Tasya bhumisu viniyogah
(Tasya = seine; bhumi = Stufe; viniyoga = Anwendung) - Diese drei Stufen sind innerlicher als die vorhergehenden fünf.
Trayamantarangam purvebhyah
(Trayam = drei; antar = innerlich; anga = Stufe; purvebhyah = in Bezug auf die Vorangegangenen) - Aber sogar diese sind äußerlicher als der samenlose Zustand (Nirbija).
Tadapi bahirangam nirbijasya
(Tat = das; api = auch; bahir = äußerlich; nirbija = samenlos) - Durch Beherrschung der Eindrücke entwickelt sich die Meisterschaft (Nirodha).
Vyutthananirodhasamskarayorabhibhavapradurbhavau nirodhaksanacittanvayo nirodhaparinamah
(Vyutthana = Auftauchen; nirodha = Ruhe des Geistes; samskara = Eindruck; abhibhava = Verschwinden; parinama = Entwicklung) - Sein Fluss wird durch Wiederholung ruhig.
Tasya prasantavahita samskarat
(Tasya = sein; prasanta = ruhig; vahita = Fluß; samkara = Eindruck) - Durch Abnahme der Zerstreutheit entwickelt sich Samadhi.
Sarvarthataikagratayoh ksayodayau cittasya samadihparinamah
(Sarva = alles; ekagrata = Konzentration; ksaya = abnehmen; udaya = zunehmen; samadhi = überbewußter Zustand) - Wenn Geistesinhalte genau gleich sind, entsteht vollkommene Konzentration.
Tatah punah santoditau tulyapratyayau cittasyaikagrataparinamah
(Tatah = dann; santa = ruhig; udita = aufgestiegen; tulya = gleich; ekagrata = Konzentration) - Dies erklärt Veränderungen in Bezug auf Form, Zeit und Zustand.
Etena bhutendriyesu dharmalaksannavasthaparinama vyakhyatah
(Etena = durch dieses; bhuta = Elemente; dharma = Form; laksana = Zeit; avastha = Zustand; parinama = Veränderung) - Es gibt einen gemeinsamen Besitzer aller Eigenschaften.
Santoditavyapadesyadharmanupati dharmi
(Santa = Vergangen; udita = Gegenwärtig; avyapadesya = Zukunft; dharma = Eigenschaften; dharmi = Besitzer) - Ursache der Entwicklungen sind die verschiedenen Naturgesetze.
Kramanyatvam parinamanyatve hetuh
(Krama = Naturgesetz; anyatva = Unterschied; parinama = Wandlung; hetu = Ursache) - Samyama auf Form, Zeit und Zustand bringt Wissen um Vergangenheit und Zukunft.
Parinamatrayasamyamadatitanagatajnanam
(Parinama = Veränderung; traya = die drei; samyama = Versenkung; afita = vergangen; anagata = künftig; jnana = Wissen) - Samyama auf Klänge führt zum Verständnis aller lebenden Wesen.
Sabdarthapratyayanamitaretaradhyasatsamkarastatpravibhagasamyamatsarvabhutarutajnanam
(Sabda = Wort; artha = Bedeutung; samkara = Vermischung; pravibhaga = Trennung; sarva = alle; ruta = Klang) - Direkte Erfahrung von Samskaras bringt Wissen um vorige Leben.
Samskarasatsaktaranatpurvajatijnanam
(Samskara = Eindrücke; saksat = direkt; purva = vorher; jati = Geburt; jnana = Wissen) - Samyama auf die Gedanken eines anderen gibt Wissen über seinen Geist.
Pratyayasya paracittajnanam
(Pratyaya = Gedanke; para = eines anderen; citta = Geist; jnana = Wissen) - Nicht-Gegenstände des Samyama bleiben verborgen.
Na ca tatsalambanam tasyavisayibhutatvat
(Na = nicht; tat = das; alambana = Zugrundeliegende; avisayibhutatvat = kein Objekt) - Samyama auf die Körpergestalt kann den Körper unsichtbar machen.
Kayarupasamyamattadgrahyasaktistambhe caksuhprakasasamprayoge ntardhanam
(Kaya = Körper; rupa = Form; grahya = wahrnehmbar; stambha = Behinderung; antardhana = Unsichtbarkeit) - Dies erklärt auch das Verschwinden von Lauten.
Etena sabdadyantardhanam uktam
(Etena = durch dieses; sabda = Ton; antardhana = Verschwinden) - Samyama auf Karma gibt Wissen über den eigenen Tod.
Sopakramam nirupakramam ca karma tatsamyamadaparantajnanam aristebhyo va
(Sopakrama = aktiv; nirupakrama = schlummernd; karma = Handlung; aparanta = Tod; arista = Schicksal) - Samyama auf Freundlichkeit erlangt deren Kräfte.
Maitryadisu balani
(Maitri = Freundlichkeit; adisu = usw.; bala = Kraft) - Samyama auf Tierkräfte verleiht deren Stärke.
Balesu hastibaladini
(Balesu = Kräfte; hasti = erreicht; baladini = Stärke des Elefanten) - Samyama auf Licht gibt Wissen über das Verborgene und Entfernte.
Pravrttyalokanyasatsuksmavyavahitaviprakrstajnanam
(aloka = Licht; suksma = Subtiles; vyavahita = Verborgenes; viprakrsta = Entferntes) - Samyama auf die Sonne gibt Wissen um die Welt.
Bhuvanajnanam surye samyamat
(Bhuvana = Welt; jnana = Wissen; surye = Sonne; samyama = Versenkung) - Samyama auf den Mond gibt astrologisches Wissen.
Candre taravyuhajnanam
(candra = Mond; tara = Stern; vyuha = Anordnung; jnana = Wissen) - Samyama auf den Polarstern gibt Wissen um Sternenbewegungen.
Dhruve tadgatijnanam
(Dhruve = Polarstern; gati = Bewegung; jnana = Wissen) - Samyama auf das Nabelzentrum erklärt den Aufbau des Körpers.
Nabhicakre kayavyuhajnanam
(Nabhicakre = Nabelzentrum; kaya = Körper; vyuha = Aufbau; jnana = Wissen) - Samyama auf die Kehlhöhle beendet Hunger und Durst.
Kanthakupe ksutipasanivrttih
(Kantha = Kehle; kupa = Höhe; ksudh = Hunger; pipasa = Durst; nivrtti = Aufhören) - Samyama auf Kurma-Nadi verleiht Festigkeit.
Kurmanadyam sthairyam
(Kurma = Schildkröte; nadi = Kanal; sthairya = Festigkeit) - Samyama auf das Scheitellicht bringt Visionen der Meister.
Murdhajyotisi siddhadarsanam
(Murdha = Scheitel; jyoti = Licht; siddha = Meister; darsana = Vision) - Aus Intuition kommt alles Wissen.
Pratibhadva sarvam
(Pratibha = Intuition; sarvam = alles) - Samyama auf das Herz führt zum Verstehen des Geistes.
Hrdaya cittasamvit
(Hrdaya = Herz; citta = Geist; samvit = Verstehen) - Samyama auf die Seele statt auf das Individuum bringt Wissen um Purusa.
Sattvapurusayoratyantasamkirnayoh pratyayavisesobhogah pararthatsvarthasamyamatpurusajnanam
(Sattva = Reinheit; purusa = Seele; bogha = Erfahrung; sva = eigenes; artha = Interesse; jnana = Wissen) - Daraus entstehen intuitive Sinne.
Tatah pratibhasravanavedanadarsasvadavarta jayante
(pratibha = intuitiv; sravana = Hören; vedana = Fühlen; adarsa = Sehen; asvada = Schmecken) - Diese Fähigkeiten sind Hindernisse für Samadhi, aber Kräfte im Außen.
Te samadhavupasarga vyutthane siddhayah
(Te = sie; samadhi = Überbewusstsein; upasarga = Hindernis; siddhayah = Kräfte) - Der Geist kann in andere Körper eintreten, wenn Bindungen gelockert sind.
Bandhakaranasaithilyatpracarasamvedanacca cittasya parasariravesah
(Bandha = Bindung; saithilya = Lockerung; pracara = Kanäle; para = anderer; sarira = Körper) - Meisterung des Udana erlaubt Levitation.
Udanajayajjalapankakantakadisvasanga utkrantisca
(Udana = Lebensstrom; jaya = Meisterung; asanga = Nicht-Berührung; utkranti = Levitation) - Meisterung des Samana führt zu strahlendem Feuer.
Samanajayajjvalanam
(Samana = Energie; jaya = Meisterung; jvalana = Feuer) - Samyama auf die Verbindung Raum-Ohr verleiht überphysisches Hören.
Srotrakasayoh sambandhaasamyamyamaddivyam srotram
(Srotra = Ohr; akasa = Raum; divya = göttlich; srotram = hören) - Samyama auf Raum-Körper erlaubt Bewegung im feinstofflichen Raum.
Kayakasayoh sambandhasamyamatlaghutulasamapattescakasagamanam
(Kaya = Körper; akasa = Raum; laghu = leicht; tula = Watte; gamanam = bewegen) - Verweilen außerhalb des Körpers entfernt den Schleier vor dem Licht.
Bahirakalpita vrttirmahavideha tatah prakasavaranaksayah
(Bahih = außen; videha = körperlos; prakasa = Licht; avarana = Schleier; ksaya = Verschwinden) - Samyama auf die Zustände der Elemente bringt Meisterschaft über die Natur.
Sthulasvarupasuksmanvayarthavattvasamyamadbhutajayah
(Sthula = grob; svarupa = Natur; suksma = subtil; anvaya = durchdringend; jaya = Meisterschaft) - Daraus entspringen Vollkommenheit und Unverwundbarkeit des Körpers.
Tato nimadipradurbhavah kayasampattaddharmanabhighatasca
(animan = winzig werden; kaya = Körper; sampat = Vollkommenheit; anabhighata = Unverwundbarkeit) - Körper-Vollkommenheit ist Schönheit, Anmut, Kraft und Festigkeit.
Rupalavanyabalavajrasamhananatvani kayasampat
(Rupa = Schönheit; lavanya = Anmut; bala = Stärke; vajra = Diamant; sampat = Vollkommenheit) - Samyama auf die Wahrnehmung führt zur Herrschaft über die Sinne.
Grahanasvarupasmitanvayarthavattvasamyamadindriyajayah
(Grahana = Wahrnehmung; svarupa = Natur; asmita = Ego; indriya = Sinne; jaya = Herrschaft) - Daraus entsteht Schnelligkeit des Geistes und Herrschaft über die Materie.
Tato manojavitvam vikaranabhavah pradhanajayasca
(manojavitva = Schnelligkeit; vikaranabhava = Unabhängigkeit; pradhana = Materie; jaya = Herrschaft) - Unterscheidung Sattva-Purusa bringt Allmacht und Allwissenheit.
Sattvapurusanyatakhyatimatrasya sarvabhavadhisthatrtvam sarvajnatrtvam ca
(Sattva = Reinheit; purusa = Selbst; anyata = Unterschied; sarvajnatrtvam = Allwissenheit) - Nichtanhaften an Allmacht führt zur Befreiung (Kaivalya).
Tadvairagyadapi dosabijaksaya kaivalyam
(vairagya = Nichtanhaften; dosa = Unreinheit; bija = Samen; ksaya = Zerstörung; kaivalya = Befreiung) - Einladungen himmlischer Wesen sollten ohne Stolz gemieden werden.
Sthanyupanimantrane sangasmayakaranam punaranistaprasangat
(Sthani = Himmelswesen; sanga = Anhaften; smaya = Stolz; anista = Unerwünschtes) - Samyama auf Augenblicke bringt Wissen aus Unterscheidungskraft.
Ksanatatkramayoh samyamadvivekajam jnanam
(Ksana = Augenblick; krama = Folge; vivekaja = Unterscheidungskraft; jnana = Wissen) - So erkennt man Unterschiede zwischen fast identischen Objekten.
Jatilaksanadesairanyatanavacchedattulyayostatah pratipattih
(Jati = Art; laksana = Merkmal; desa = Ort; tulya = gleich; pratipatti = Wissen) - Höchstes Wissen transzendiert alle Objekte gleichzeitig.
Tarakam sarvavisayam sarvathavisamamakramam ceti vivekajam jnanam
(Taraka = transzendieren; sarva = alle; visaya = Objekt; akrama = gleichzeitig; jnanam = Wissen) - Gleiche Reinheit in Purusa und Sattva bringt die Befreiung.
Sattvapurusayoh suddhisamye kaivalyam
(Sattva = Reinheit; purusa = Bewusstsein; suddhi = Reinheit; samya = Gleichheit; kaivalya = Befreiung)
Quelle: Sukadev Volker Bretz „Die Yogaweisheit des Patanjali für Menschen von heute“ ISBN: 978-3-928632-81-2
Yoga Sutra - 4. Kapitel - Kaivalya Pada (Befreiung - 34 Verse)
- Siddhis sind angeboren oder werden durch Kräuter, Mantras, Askese oder Samadhi erlangt.
Janmausadhimantratapahsamadhijah siddhayah
(Janma = Geburt; ausadhi = Kräuter; mantra = Klangenergie; tapas = Askese; samadhi = überbewußter Zustand; siddhayah = Fähigkeiten) - Die Umwandlungen der Existenzformen kommen vom Fließen der Natur her.
Jatyantaraparinamah prakrtyapurat
(Jati = Existenzform; antara = andere; parinama = Wandlung; prakrti = Natur; apurat = Überfließen) - Menschliche Ursachen beseitigen nur Hindernisse, wie ein Bauer beim Bewässern.
Nimittamaprayojakam prakttinam varanabhedastu tatah ksetrikavat
(Nimitta = sichtbare Ursache; aprayojakam = nicht verursachend; varana = Hindernis; bheda = Beseitigung; ksetrikavat = wie der Bauer) - Gemüter (Cittas) werden vom Ego geschaffen.
Nirmanacittanyasmitamatrat
(Nirmana = geschaffen; cittani = Mentalkörper; asmita = Egoismus; matrat = allein) - Trotz vieler Erscheinungsformen werden die Gemüter von einem gelenkt.
Pravrttibhede prayojakam cittamekamanekesam
(Pravrtti = Aktivität; bheda = Unterschied; prayojakam = lenkend; citta = Verstand; eka = ein) - Der aus Dhyana geborene Geist ist frei von vergangenen Eindrücken.
Tatra dhyanajamanasayam
(Tatra = von ihnen; dhyanajam = aus Meditation geboren; anasayam = frei von Eindrücken) - Für einen Yogi ist Karma weder weiß noch schwarz; für andere ist es dreifach.
Karmasuklakrsnam yoginastrividhamitaresam
(Karma = Handlung; asukla = nicht weiß; akrsna = nicht schwarz; yoginah = Yogi; tri-vidha = dreifach) - Aus dreierlei Karma reifen Früchte entsprechend der Art der Wünsche.
Tatastadvipakanugunanamevabhivyaktirvasananam
(Tatah = von da; tad-vipaka = reifen; anugunana = entsprechend; vyakti = Manifestierung; vasana = Wünsche) - Wunsch und Karma folgen aufeinander durch Erinnerung und Eindrücke.
Jatidesakalavyavahitanamapyanantaryam smrtisamskarayorekarupatvat
(Jati = Klasse; desa = Ort; kala = Zeit; anantaryam = Aufeinanderfolge; smrti-samskarayoh = Erinnerung/Eindrücke) - Wünsche und Eindrücke sind anfangslos, da der Wunsch zu leben ewig ist.
Tasamanaditvam casiso nityatvat
(Tasam = sie; anaditva = kein Anfang; asisa = Wunsch zu leben; nityatvat = von Ewigkeit) - Mit dem Verschwinden ihrer Ursachen verschwinden auch die Wünsche.
Hetuphalasrayalambanaih samgrhitatvadesamabhace tadabhavah
(Hetu = Ursache; phala = Wirkung; asraya = Unterstützung; alambana = Objekt; samgrhitatvat = Zusammenhalt) - Vergangenheit und Zukunft existieren in ihrer eigenen Form.
Atitanagatam svarupato styadhvabhedaddharmanam
(Atita = Vergangenheit; anagata = Zukunft; svarupatah = eigene Form; adhva-bhedat = Veränderungen) - Ob manifestiert oder unmanifestiert – sie existieren in den drei Gunas.
Te vyaktasuksma gunatmanah
(Te = sie; vyakta = manifestiert; suksma = subtil; gunatmanah = Natur der Gunas) - Die Besonderheit eines Objektes liegt in der einzigartigen Wandlung der Gunas.
Parinmaikatvadvastutattvam
(Parinama = Wandlung; ekatva = einzigartig; vastu = Objekt; tattva = Essenz) - Unterschiede in der Wahrnehmung rühren von den verschiedenen Wegen der Cittas her.
Vastusamye cittabhedattayorvibhaktah panthah
(Vastu = Objekt; samya = Gleichheit; citta = Verstand; bheda = Verschiedenheit) - Ein Objekt ist nicht von einem einzigen Verstand abhängig.
Na caikacittatantram vastu tadapramanakam tada kim syat
(Na = nicht; eka = ein; citta = Verstand; tantram = abhängig; vastu = Objekt) - Ein Objekt ist bekannt oder unbekannt, je nachdem, ob es den Verstand färbt.
Taduparagapeksitvaccittasya vastu jnatajnatam
(Tad-uparaga = Färbung; apeksitvat = aufgrund; cittasya = Verstand; vastu = Objekt; jnata = gewusst) - Gedanken sind dem Selbst immer bekannt, da die Natur des Purusa unveränderlich ist.
Sada jnatascittavrttayastatprabhoh pururasasyaprinamitvat
(Sada = immer; jnatah = bekannt; citta = Verstand; vrttayah = Gedanken; purusasya = Selbst) - Der Geist ist nicht selbst-erleuchtend, da er wahrnehmbar ist.
Na tatsvabhasam drsyatvat
(Na = nicht; svabhasam = selbst-erleuchtend; drsyatvat = wahrnehmbar) - Der Geist kann nicht zwei Dinge gleichzeitig wahrnehmen.
Ekasamaye cobhayanavadharanam
(Eka-samaye = gleichzeitig; ubhaya = beide; anavadharanam = nicht erfassen) - Die Wahrnehmung eines Geistes durch einen anderen würde zu Absurdität führen.
Cittantaradrsye buddhibddheratiprasangah smrtisamkarasca
(buddhi = Wahrnehmung; buddhibuddheh = Wahrnehmung von Wahrnehmungen; atiprasanga = Absurdität; smrti = Erinnerung) - Selbsterkenntnis kommt, wenn das Bewusstsein nicht mehr wandert.
Citerapratisamkramayastadakarapattau svabuddhisamvedanam
(Citeh = Bewusstsein; apratisamkramayah = nicht wandernd; sva-buddhi = Selbsterkenntnis) - Der durch das Selbst und das Gesehene gefärbte Geist wird allumfassend.
Drastrdrsyoparaktam cittam sarvartham
(Drastr = Sehender; drsya = Gesehenes; uparakta = gefärbt; citta = Geist; sarvartha = allumfassend) - Der mannigfache Geist wirkt für das Selbst, da sie in Verbindung stehen.
Tadasamkhyeyavasanabhiscitramapi parartham samhatyakaritvat
(asamkhyeya = unzählige; vasanabhih = Wünsche; parartham = für einen anderen; samhatya = Verbindung) - Wer diesen Unterschied zwischen Selbst und Geist erkennt, hört auf, sie zu verwechseln.
Visesadarsina atmabhavabhavananivrttih
(Vises = Unterschied; darsinah = Sehender; atmabhava = Bewusstsein des Selbst; nivrtti = Aufhören) - So neigt der Geist zur Unterscheidungskraft und zur Befreiung (Kaivalya).
Tada hi vivekanimnam kaivalyapragbharam cittam
(viveka = Unterscheidungskraft; nimnam = geneigt; kaivalya = Befreiung; citta = Geist) - Unterbrechende Gedanken kommen von früheren Neigungen (Samskaras).
Tacchidresu pratyayantarani samskarebhyah
(Cidra = Unterbrechung; pratyaya = Gedanke; samskarebhyah = aus früheren Eindrücken) - Diese werden wie die Klesas beseitigt.
Hanamesam klesavatuktam
(Hana = Beseitigung; esam = von diesen; klesavat = wie Leiden; uktam = beschrieben) - Wer Unterscheidungskraft ohne Eigeninteresse übt, erreicht Dharma-Megha-Samadhi.
Prasamkhyane pyakusidasya sarvatha vivekakhyaterdharmameghah samadhih
(akusidasya = ohne Interesse; viveka-khyati = Unterscheidungskraft; dharma = Tugend; megha = Wolke) - Dann hören Leiden und Karma auf.
Tatah klesakarmanivrttih
(Tatah = daher; klesa = Leiden; karma = Handlung; nivrtti = Freiheit) - Nach Beseitigung aller Schleier ist das erfahrbare Wissen nur noch winzig.
Tada sarvavaranamalapetasya jnanasyanantyajjneyamalpam
(sarva = alle; avarana = Schleier; mala = Unreinheiten; jnanasya = Wissen; anantayat = Unendlichkeit; alpa = winzig) - Der ständige Wandel der Gunas hört für jene auf, die das Ziel erreicht haben.
Tatah krtarthanam parinamakramasamaptirgunanam
(krtarthanam = Ziel erreicht; parinama = Wandel; krama = Vorgang; samapti = Ende; gunanam = Gunas) - Die Aufeinanderfolge der Augenblicke wird am Ende des Wandels wahrnehmbar.
Ksanapratiyogi parinamaparantanirgrahyah kramah
(Ksana = Augenblick; parinama = Wechsel; aparanta = Ende; nirgrahya = wahrnehmbar; krama = Folge) - Kaivalya ist das Wiedereintauchen der Gunas in den Ursprung; die Seele ruht in ihrer Natur.
Purusarthasunyanam gunanam pratiprasavah kaivalyam svarupapratistha ca citisaktiriti
(Purusartha = Ziel; sunya = Leere; pratiprasava = Wiedereintauchen; kaivalya = Befreiung; svarupa = eigene Natur; citisaktir = Bewusstseinskraft)
Quelle: Sukadev Volker Bretz „Die Yogaweisheit des Patanjali für Menschen von heute“ ISBN: 978-3-928632-81-2