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Mit Yoga im Moment sein

Bestimmte Situationen, ein Geruch oder ein Klang können ein Trauma triggern. Der traumatisierte Mensch wird von seiner Erinnerung überwältigt und befindet sich wieder mitten in der schmerzhaften Vergangenheit. Es ist der Körper, der nach einer schweren seelischen Verwundung in der Vergangenheit verhaftet bleiben kann.Der Neurobiologe Prof. Joachim Bauer bringt in seinem Buch «Das Gedächtnis des Körpers» viele Beispiele, wie körperliche oder seelische Gewalterfahrungen subkortikal abgespeichert werden.

Als traumatisch können Situationen bezeichnet werden, in denen wir uns als völlig überfordert und hilflos erleben. Das Angstzentrum des Organismus (Amygdala) schlägt Alarm und löst unser physisches «Notfallprogramm» aus – Fight-or-Flight (kämpfen oder flüchten). Können wir aber weder entkommen noch kämpfen, bleibt nur die Erstarrung bzw. der Totstellreflex (freeze). Diese lähmende Taubheit wird für traumatisierte Menschen von einem Notfallprogramm zum Lebensgefühl. Dieses drückt sich vor allem dadurch aus, dass sie sich nicht spüren.

Viele Traumaforscher wie Peter Levine, Onno van der Hart, Bessel van der Kolk, Ellert Niejenhuis betonen daher die Notwendigkeit einer ganzheitlichen Traumatherapie, die Körper, Seele und Geist gleichermassen anspricht. Oder wie Regina Weiser mit ihrer langjährigen Erfahrung als Psychotherapeutin formuliert: «Reden alleine reicht nicht!» Ken Wilber geht in die gleiche Richtung, wenn er sagt: «Einige von uns haben ihren Verstand verloren, aber
die meisten von uns haben ihren Körper verloren.»

Anker in der Gegenwart
Dank Yoga können traumatisierte Menschen lernen, ihren Körper und Atem als Anker in der Gegenwart zu benutzen. Indem die traumatisierte Person sich beispielsweise über den Atem ganz bewusst zu zentrieren lernt, kann sie den sicheren Boden unter den Füssen im Hier und Jetzt wahrnehmen. Sie bekommt dadurch den Schlüssel der Wahlfreiheit in die Hand, um aus dem emotionalen Karussell auszusteigen und ihr Leben erfüllend zu gestalten. Denn wie Bessel van der Kolk die Langzeitfolgen von Traumen zusammenfasst: «Ein Trauma ist die Krankheit, nicht präsent sein zu können.»

Menschen reifen nicht trotz widriger Umstände, sondern mit und durch diese. Diesen Reifeprozess nennt man auch Resilienz (Widerstandskraft) oder in Bezug auf Trauma «posttraumatisches Wachstum». Angela Dunemann, die über 25 Jahre in einem Albert-Schweitzer- Kinderdorf mit traumatisierten Kindern arbeitet, hat die Erfahrung gemacht, dass Resilienz nicht einfach etwas ist, was man hat oder nicht hat, sondern etwas, das man lernen kann. So kommen Menschen oft in Krisensituationen zum Yoga und finden hier etliche Komponenten, die ihre Resilienz stärken. Oder wie Albert Camus es ausdrückt: «Mitten im Winter habe ich erfahren, dass es in mir einen unbesiegbaren Sommer gibt.»


In der yogatherapeutischen Arbeit mit traumatisierten Menschen wird die Essenz von Yoga aufs Neue deutlich. Es ist dieser Bewusstseinszustand der Gegenwärtigkeit, der es uns erlaubt, in Distanz zu unseren Gefühlen und Gedanken zu treten. Traumasensibles Yoga knüpft also direkt an die über
2000 Jahre alte Tradition von Yoga an, welche Patanjali in seinen Sutras beschreibt. Es sind keine besonderen Asanas, die Yoga traumasensibel erscheinen lassen, sondern die Art und Weise der Ausführung. Es ist die Achtsamkeit mit der Asanas, Atem- und Entspannungsübungen ausgeübt werden, welche die Wellen des Geistes zur Ruhe kommen lassen (Yoga citta vritti nirodhah).


Achtsamkeit in Bewegung
Traumasensibles Yoga ist Achtsamkeit in Bewegung. Joachim Pfahl, der bei der britischen Armee mit Kriegsrückkehrern arbeitet, bezeichnet die Selbstwahrnehmung als das mächtigste Werkzeug von Yoga schlechthin. Für traumatisierte Menschen geht es im Yoga darum zu erfahren, dass sie selbst dazu in der Lage sind zu spüren, was ihnen gut tut und wo ihre individuellen Grenzen sind.

Doch nicht immer erschließt sich die heilsame Kraft von Yoga sofort. Der Besuch von akrobatischen Yogaklassen, die auf Leistung, Wettkampf und Vergleich ausgerichtet sind, können für Menschen mit Trauma-Erfahrung zu einem eher frustrierenden Erlebnis werden. Das Gefühl der Betroffenen wird verstärkt, nicht in Ordnung zu sein und nicht mithalten zu können. Die Anregung, noch «tiefer» in eine Haltung zu gehen, verleitet vielleicht dazu, erneut die eigenen Grenzen zu überschreiten.

Traumatische Erfahrungen haben ein tiefes Gefühl von Unsicherheit ausgelöst, dass jederzeit wieder aufbrechen kann. Es ist, als würde man sich auf dünnem Eis bewegen. Alle, die selbst betroffen oder im näheren Kontakt mit traumatisierten Menschen stehen, kennen diese Ungewissheit, ob es hält. Der erfahrene Psychotherapeut Dietmar Mitzinger betont, wie wichtig in diesem Zusammenhang eine vertrauensvolle Beziehung und eine sichere Umgebung sind. Wie wichtig es ist, als Yogalehrer und/oder Therapeut, ein Verständnis für die Auswirkungen von Trauma zu haben, ebenso. Dann kann eine heilsame Erfahrung entstehen, in der Betroffene auch in schwierigen Augenblicken (z.B. wenn sie etwas triggert) lernen, anders als bisher mit sich umzugehen.

Quelle: Mit Yoga im Moment sein von Nadia Bischof & Angela Dunemann / Yoga - Das Magazin

inRelax, bietet individuelles Einzel-Coaching in unterschiedlichen Yogastilen im Kreis Minden-Lübbecke.

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Traumasensibles Yoga - Aufbaumodul 1

Am 30.01.2016 - 31.01.2016 habe ich das erste Aufbaumodul, in traumasensiblem Yoga, beim VEDA Institut für Yoga & Meditation besucht. Diesmal im "Mandala - Institut für Yoga und Gesundheit" in Wetzlar. Hier ein Eindruck vom Inhalt des Einführungsmodules.

"In diesem ersten Aufbau-Modul können Erfahrungen aus dem Einführungswochenende vertieft und in Selbsterfahrung erprobt werden. Die Wechselwirkungen von Bewegung, Atem und Bewusstsein werden erforscht und besprochen. Unter der besonderen Berücksichtigung der Auswirkungen von Trauma werden spezielle Pranayamatechniken, Asanas und Sequenzen vermittelt. Es wird näher auf die feinstoffliche Ebene eingegangen, so dass die eigenen Energieströme besser wahrgenommen werden können. Dies schult die Präsenz und das Wahrnehmen von Dissoziationen bei traumatisierten Teilnehmern in Yogakursen. Es werden Stabilisierungstechniken und Resilienzfaktoren zur Ressourcierung vorgestellt. So kann der Yogaunterricht insgesamt sicherer für die Teilnehmer gestaltet werden. Es werden Elemente aus der Ego-State-Theorie und der Sensomotorik einfließen."

Quelle: www.traumasensiblesyoga.de

inRelax, das Yoga & Shiatsu Studio in Espelkamp.
Im Alt-Kreis Minden-Lübbecke zwischen Rahden, Hille, Levern und Lübbecke gelegen.

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Traumasensibles Yoga - Einführungsmodul

Am Wochenende 21.11.2015 - 22.11.2015 habe ich das Einführungsmodul, in traumasensiblem Yoga, beim VEDA Institut für Yoga & Meditation besucht. Im Januar und April 2016 geht es mit den beiden Aufbaumodulen, in dieser Weiterbildung, weiter. Hier ein Eindruck vom Inhalt des Einführungsmodules.

"In diesem Einführungswochenende werden die Teilnehmer mit den tief greifenden Auswirkungen, die ein Trauma im Körper des Betroffenen auslöst, vertraut gemacht. Gleichzeitig werden relevante Wirkweisen des Yoga vorgestellt, die für traumatisierte Menschen stabilisierende und heilsame Antworten bereithalten. Erkenntnisse aus dem Bereich der westlichen und östlichen Psychosomatik sowie der Yogalehre mit dem Kosha-Modell, den Upanishaden und dem 8- stufigen Weg des Patanjali werden in Beziehung zueinander gebracht. Die Relevanz des Körpergedächtnisses für die Gestaltung des Yoga-Unterrichts wird deutlich.
Wenn durch Entspannung alte Wunden aufbrechen, kann dies die Chance für einen tief greifenden Heilungsprozess sein. Solche Trigger-Situationen verlangen achtsame und sensible Begleitung. Ein Bewusstsein über die unterschiedliche Funktionsweise der drei Schichten des Nervensystems, die jeweils einen unterschiedlichen Zugang verlangen, ist dabei sehr hilfreich.
Die Teilnehmer gewinnen Verständnis und mehr Sicherheit im Umgang mit den unterschiedlichen Lebensgeschichten, die in eine Yogastunde mitgebracht werden."

Quelle: www.traumasensiblesyoga.de

inRelax, das Yoga & Shiatsu Studio in Espelkamp.
Im Alt-Kreis Minden-Lübbecke zwischen Rahden, Hille, Levern und Lübbecke gelegen.

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